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Kennen Sie die Motive Ihrer Mitarbeiter?

von wirtschaftstelegraph
Thomas Krings gilt als Game Changer beim Thema Führung. Seine Thesen finden Beachtung in den Chefetagen namhafter Unternehmen. In seinem Podcast „Fokus Führung“ teilt er sein Wissen und gibt wertvolle Impulse. Grund genug, ihn im Wirtschaftstelegraph zum Kolumnisten zu machen. Viele seiner Texte basieren auf seinem Podcast, den es hier auch zum Nachhören gibt. Er teilt hier Führungswissen für Leader von morgen.

Jeder Mensch hat das Recht anders zu sein

Aus rechtlichen Gründen möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ein paar Äußerungen von mir in dieser Podcast Episode eventuell als Werbung verstanden werden könnten.

Bei einer längeren Autofahrt mit einem guten Freund, der selbstständiger Unternehmer ist, sagte dieser das Folgende zu mir:
„Thomas, wir sprechen ja immer wieder über das Thema Persönlichkeitsentwicklung im Führungsalltag. Mir ist neulich mal wieder bewusst geworden, wie wichtig es war, erkannt zu haben, dass jeder Mensch nicht nur anders ist, sondern auch ein Recht darauf hat anders zu sein! Diese Erkenntnis hat mir in den vergangenen Wochen extrem dabei geholfen einen drohenden Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen!“
Wie Recht er hat.
Dazu möchte ich Ihnen in meiner heutigen Episode gerne mehr erzählen.

​Lebensmotive

​Jeder Mensch hat die gleichen Motive Dinge zu tun, oder zu lassen, so zu denken, oder eben anders. Der amerikanische Psychologe Dr. Steven Reiss hat empirisch ermittelt, dass wir alle Motive der Menschen, Sie können auch Antreiber dazu sagen, in 16 Lebensmotiven zusammenfassen können.
Diese Motive sind bei allen Menschen vorhanden. Das besonders interessante daran ist aber, dass jeder Mensch jedes dieser Motive unterschiedlich stark, oder schwach ausgeprägt hat. Nach Dr. Reiss sind 14 dieser Lebensmotive fest in unserer DNA verankert. Nur 2 Motive werden konditioniert, also anerzogen, oder durch Erfahrung geprägt.
Spannend ist jetzt die Frage, wie weit weichen Sie, lieber Zuhörer, mit Ihren jeweiligen Ausprägungen der Motive von den Menschen ab, mit denen Sie beruflich oder privat zu tun haben?

​Konfliktpotential

​Je gleicher Sie in den jeweiligen Lebensmotiven mit Ihrem Umfeld sind, desto geringer ist das Risiko, dass Sie in einen Konflikt geraten. Je mehr Sie abweichen, desto wahrscheinlicher wird es, dass Sie immer wieder Reibereien, oder ernste Konflikte mit Ihrem Umfeld austragen müssen.
Woher kommt dieses Konfliktpotential? Steven Reiss nennt es „Self Hugging“, übersetzt „Selbstumarmung“. Wir gehen davon aus, dass unsere Werte nicht nur für uns selbst am besten sind, sondern für alle Menschen. Daher versuchen wir mittels „täglicher Tyrannei“, die Menschen in unserer Umgebung zu verändern, im Glauben es sei für sie das Beste. Und das in jedem Augenblick, den wir einen anderen Menschen sehen, oder an sie, oder ihn denken.

​Unsere Gedanken

​„Wie sieht die, oder der denn aus?“ „Sowas macht man nicht!“ “Was ist das denn für ein Schlappschwanz, der hat ja keine Power im Hintern!“ „Das Tattoo geht gar nicht“. „So ein Angeber!“ „So eine Ökotante!“ „Was für ein arroganter Schnösel!“ „Der könnte mir auch mal dankbar sein!“ usw..
Solche Gedanken resultieren aus Bewertungen. Wir gleichen in so einem Moment unsere Werte mit dem Verhalten unserer Mitmenschen ab. Wenn diese anders ticken, oder sich anders verhalten, wie wir es für richtig halten, wird sofort abgewertet. Daraus resultieren dann wieder entsprechende Handlungen unsererseits.

​Hier ein paar Beispiele aus der Arbeitswelt:

​„Können Sie nicht mal was schneller arbeiten!?“ „Ich erwarte mehr Loyalität von Ihnen!“ „Sie interessieren sich ja überhaupt nicht für Details!“ „Sie mit Ihren ewigen Weltverbesserungsgedanken, wir müssen hier Geld verdienen und sind kein Sozialverein!“ „Diese ewige Eigenbrötlerei geht nicht. Sie müssen mehr im Team arbeiten!“ „Halten Sie sich gefälligst an die Vorschriften!“ „Sie sind aber auch empfindlich. Können Sie keine Kritik ertragen?“ „Immer wollen Sie das letzte Wort haben!“ „Seien Sie doch flexibel!“ usw.
Beim Zuhören werden Sie teilweise gedacht haben „Das kenne ich auch“, oder „Das ist doch so auch richtig“. Je nach dem wie Ihre Lebensmotive in den einzelnen Bereichen ausgeprägt sind entstehen, bei Ihnen beim Zuhören Zustimmung, oder Ablehnung.

​„Seien Sie doch flexibel!“

​Nehmen wir mal an, Ihr Lebensmotiv „Ordnung“ ist sehr stark ausgeprägt. Sie streben dann nach Organisation, strukturiertem Vorgehen. Sie legen Wert auf Sicherheit, Stabilität und Ordnung. Details sind Ihnen wichtig und Sie bevorzugen es zu planen. Außerdem tuen Sie sich schwer mit Veränderung.
Für Sie ist es nervig, wenn in Ihrem Tätigkeitsbereich, oder auch privat, keine Klarheit über Abläufe herrscht, oder die Arbeitsplätze Ihrer Mitarbeiter nicht aufgeräumt sind, oder jeder macht was er oder sie will, usw.. Je stärker Ihr Lebensmotiv Ordnung ausgeprägt ist, desto störender empfinden Sie dessen fehlen.
Wenn Sie jetzt einen Mitarbeiter, oder auch bspw. einen Lebenspartner haben, bei dem das Lebensmotiv „Ordnung“ schwach ausgeprägt ist, besteht für Sie permanenter Stress beim Umgang mit diesem Menschen. Wenn in Ihrem Unternehmen eventuell sogar kreatives Chaos herrscht, dann können Sie sich jetzt vielleicht vorstellen, warum es Ihnen schlecht geht.

​Wie tickt denn ein Mensch, dessen Lebensmotiv Ordnung sehr schwach ausgeprägt ist?

​Diese Person bevorzugt Flexibilität und wenig Struktur, hat Freude an Veränderung und wenig Sicherheitsbedürfnis. Sie kann chaotisch wirken und schätzt Spontanität.
Was ist da so falsch, oder richtig dran? Nichts! Es ist wie es ist, aber die Bewertung zwischen diesen Menschen, das Self Hugging, stellt ein erhebliches Konfliktpotential dar.
So denkt der ordnungsliebende Mensch über die Anderen bspw.:
Man ist der, oder die chaotisch, unorganisiert, eventuell ungepflegt, verzettelt sich dauernd, ist undiszipliniert, oder unkoordiniert.
Und der, oder die Andere denkt über den Ordnungsliebenden bspw.:
Der beschäftigt sich dauernd mit Nebensächlichkeiten, ist Perfektionist, manchmal rigide, ein echter Kontrollfreak. Man, ist der pingelig!
Beides ist völlig in Ordnung zu respektieren.

Motive kennen

​Als Führungskraft müssen Sie sich allerdings Gedanken darüber machen, ob Ihre Mitarbeiter zur Erfüllung ihrer Aufgaben eher ordnungsliebend sein müssen, oder eher flexibel.
Bis hierhin habe ich Ihnen nur ein Lebensmotiv von 16 erläutert. Jetzt können Sie sich vielleicht vorstellen, wie wichtig es wäre, Ihre eignen Lebensmotive zu kennen und die einzelnen Motive Ihrer Mitarbeiter ebenfalls.
Es geht sogar noch weiter. Wie genial wäre es denn, wenn Sie sich darüber Gedanken machen würden, wie die perfekte Motivkombination aussehen müsste, um bspw. in Ihrem Unternehmen ein erfolgreicher Vertriebler zu sein. Oder ein Teamprofil idealerweise aussehen müsste, um ein Projekt erfolgreich durchzuziehen. Dann stellen Sie das Team entsprechend des Wunschprofils zusammen und dem Erfolg sind Sie ein erhebliches, wenn nicht sogar entscheidendes Stück nähergekommen.

​Es gehören immer zwei dazu…

​Zum Ende der heutigen Episode erzähle ich Ihnen noch kurz von einem Praxisbeispiel.
Die Führungskraft eines Kunden berichtete mir von einem Mitarbeiter, der fachlich sehr gut sei, aber sein Verhalten zu Wünschen übriglassen würde. Dieser Mitarbeiter wäre nicht kritikfähig und würde schnell an die Decke gehen, wenn er mit ihm sprechen würde.
Ich solle ihn mal coachen. Das sind immer spannende Aufträge, denn in diesem Moment ist mir sofort klar, dass es hier ein zwischenmenschliches Problem geben muss, zu dem immer Zwei gehören.

​Das Profil

​Ich habe den ungestümen Mitarbeiter ein REISS Motivationsprofil anfertigen lassen. Im Auswertungsgespräch war schnell folgendes klar:
Der Mitarbeiter benötigte eine verantwortliche Tätigkeit, in der er selbst entscheiden darf, Einfluss ausüben kann, seinen Ehrgeiz befriedigen und Dinge lenken kann und ein Gefühl von persönlicher Freiheit dabei spüren möchte. Er war eher Einzelkämpfer, als Teamplayer und sah sein Umfeld als Möglichkeit sich permanent im Wettstreit verbal messen zu können. Lob war ihm nicht wichtig und er war außerordentlich stressrobust.

​Ein Job, der nicht passt

​Was sagen Sie jetzt, zu so einem Mitarbeiter? Grundsätzlich hört sich das doch gar nicht schlecht an, oder? Es kommt darauf an, wo er arbeitet. Als Vertriebler wäre er perfekt!
Dieser Mann arbeitet aber in der Qualitätssicherung eines Unternehmens, welches technische Produkte herstellt. Nicht als Führungskraft, sondern als normaler Mitarbeiter. Er muss Vorgaben exakt erfüllen, ohne Spielräume. Es gibt keinerlei Herausforderungen an denen er wachsen kann. Es wird von ihm erwartet, dass er sich in das QS-Team vollumfänglich integriert und sein Wissen teilt.
Das dieses Aufgabengebiet für ihn ein permanentes Stressthema ist, ist ihm spätestens seit dem Coaching bewusst geworden. Dann reicht nur ein kleiner Funke, um ihn explodieren zu lassen.

​Richtige Mitarbeiter am richtigen Platz – Der Erfolg für Sie als Führungskraft

Jetzt wird es natürlich noch spannend, wenn die Motive seiner Führungskraft, die dieses Coaching beauftragt hat, hinzukommen. Dort ergeben sich sicherlich noch weitere Spannungsfelder. Darüber werde ich Ihnen gerne in einer der zukünftigen Episoden berichten.
Sie sehen wie viel Sie als Führungskraft tun können, um noch erfolgreicher zu sein, indem Sie die richtigen Mitarbeiter am richtigen Platz einsetzen, ein Team zusammenstellen, welches exakt auf die Erfordernisse des Aufgabengebiets oder Projektes abgestimmt ist und vor Allem zunächst mal um sich selbst besser kennenzulernen.
Scheuen Sie sich nicht mein Angebot zum REISS Motivationsprofil im Mitgliederbereich zu nutzen. Ich verspreche Ihnen spannende Erkenntnisse.

Bleiben Sie fokussiert!

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