Startseite Handel Digitalisierung gegen Ladensterben: Online-Großhandelsplattformen und virtuelle Messen retten den stationären Einzelhandel

Digitalisierung gegen Ladensterben: Online-Großhandelsplattformen und virtuelle Messen retten den stationären Einzelhandel

Autor: Luca Beltrami, Head of Product for Retailers bei Faire Wholesale

von wirtschaftstelegraph

Dem stationären Einzelhandel wird zurecht vorgeworfen, er sei Lichtjahre von der Digitalisierung entfernt. Doch die Zeiten ändern sich: Immer mehr unabhängige Einzelhändler nutzen digitale Angebote, um sich mit individuellen Marken weltweit zu vernetzen und ihren Einkauf zu optimieren.

Bereits vor der Pandemie stand es um den lokalen Einzelhandel schlecht. Die wachsende Beliebtheit von Online-Shopping und großen Playern wie Amazon, ebay oder Alibaba sorgen für ein Phänomen, das als Ladensterben bekannt geworden ist. Mit Corona kam erschwerend der Ausfall der Messen hinzu. Der Einzelhandel steht vor weiteren Herausforderungen: Händler:innen müssen sich anderweitig nach neuen Produkten umsehen. Dabei liegt das Problem vor allem darin, ein individuelles und einzigartiges Sortiment zu erstellen, das sich vom herkömmlichen Großhandel abhebt. Ein Ausweg besteht wie in vielen anderen Branchen in der Digitalisierung: Online-Großhandelsplattformen und virtuelle Messen bieten Händler:innen die Möglichkeit, sich mit unabhängigen Marken weltweit zu verbinden und zu fairen Konditionen einzukaufen.

Global goes local

Die Zukunft des Einzelhandels ist lokal. Sicher gibt es einige Produkte, die man vor allem online kauft, weil man sie gerade braucht. Die letzten Jahre haben aber gezeigt: gerade bei Lifestyle-Artikeln wie Mode, Einrichtungs- oder Geschenkartikeln geht der Trend immer weiter in Richtung Individualität, Nachhaltigkeit und Faire Trade. Kund:innen schätzen ein kuratiertes Angebot, das sich von dem der großen Handelsketten abhebt. Das bekommen sie vor allem in unabhängigen Läden, zusammen mit individueller Beratung und dem persönlichen Kontakt, den Online-Shopping nicht bieten kann.

Um ein solch kuratiertes Sortiment einkaufen zu können, brauchen Einzelhändler:innen den Zugang zu entsprechenden Marken. Online-Großhandelsplattformen sind hierfür der richtige Weg. Eine Vielfalt an Marken lässt sich hier finden und einfach nach Kriterien auswählen, die der Vision und dem Konzept der Einzelhändler:innen entsprechen. Das können beispielsweise traditionelle Artikel aus einer bestimmten Region, vegane oder von Frauen hergestellte Produkte sein. Die mühselige Suche auf vielen unterschiedlichen Plattformen und Social Media gehört damit der Vergangenheit an. Virtuelle Messen mit spezifischen Themenschwerpunkten vereinfachen das Match-Making zwischen unabhängigen Händler:innen und Hersteller:innen noch zusätzlich.

Faire Bedingungen für kleine Unternehmer:innen

Für unabhängige Händler:innen ist der Einkauf oft mit viel Risiko verbunden. Bei kleinen Unternehmen fallen die Kosten von Ladenhütern stärker ins Gewicht. Damit sie mit großen Handelsketten mithalten können, müssen faire Konditionen geschaffen werden. Kostenlose Rücksendungen und großzügige Nettungszahlungsziele reduzieren die Kosten für Einzelhändler:innen. So können sie neue Ware einfach erst mal testen.

Wie können Online-Großhandelsplattformen dies ermöglichen? Mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz ist es möglich, den Verkaufserfolg von Produkten vorherzusagen und Händler:innen genau die Marken und Artikel vorzuschlagen, die für sie am geeignetsten sind. Basierend auf Parametern wie den bisherigen Suchen von Händler:innen oder regionalen und demographischen Verkaufswerten von Produkten können so unverkaufte Rücksendungen auf ein Minimum reduziert werden.

Fazit

Die Digitalisierung muss für den stationären Einzelhandel keine Bedrohung bedeuten. Auch der Tante Emma Laden um die Ecke kann den technologischen Fortschritt für sich nutzen, um Aufwand und Kosten zu reduzieren und sein Angebot zu verbessern. Einkaufen in der Innenstadt ist vor allem eins: ein Erlebnis. Entdecken, was man online nicht findet, individuelle Beratung und persönlicher Kontakt. Mit einem digital optimierten Einkauf können Einzelhändler:innen sich genau darauf fokussieren und mit ihrem Konzept die Fußgängerzone bereichern.

Über Luca Beltrami

Luca BeltramiLuca Beltrami ist Head of Product for Retailers bei Faire und für alle Produkte und Services verantwortlich, die sich an unabhängige Händler richten. Er ist in Deutschland aufgewachsen und kennt den hiesigen Markt gut, vor allem auch durch seine Zeit bei McKinsey. Dort beriet er zahlreiche europäische Handels- und Konsumgüterunternehmen zu Themen Rund um Strategie, Supply Chain und Vertrieb. Seine Erfahrung mit Online-Marktplätzen sammelte er als Unternehmer. So gründete er nach seinem MBA an der Stanford Graduate School of Business die Plattform Travelnuts. Diese ermöglichte es Hotels, ihren Gästen lokale Aktivitäten zu vermitteln. Zuletzt leitete er bei Airbnb das Marketplace- Dynamics-Team, mit globaler Verantwortung für die Bereiche Pricing, Stornobedingungen und Analytik-Produkte. Luca bringt umfangreiche Erfahrungen mit verschiedenen Produkttypen mit (Benutzeroberfläche, Plattform, maschinelles Lernen und Infrastruktur) und ist Experte für Marktdynamik, Wettbewerbsanalyse, Preisgestaltung und KMU-Tools.

Bildquellen

  • Luca Beltrami: Faire
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